„Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ heißt es im berühmten Pamphlet des Medizinstudenten Georg Büchner, der daraufhin sogar untertauchen musste, um einer Inhaftierung zu entgehen. Diese revolutionäre Parole aus Büchners Flugschrift „Der hessische Landbote“ von 1834 fordert soziale Gerechtigkeit und ruft zum Kampf gegen die feudale Oberschicht auf. Niemals zuvor hatte jemand einen solchen Affront gewagt.
Diese Thematik greift Büchner in seinem Stationendrama „Woyzeck“ auf und erzählt von der historischen Figur des Soldaten Franz Woyzeck, der seine Partnerin Marie nach deren Betrug mit einem höhergestellten Tambourmajor, umbringt. Der fragmentarische Text, den der Dramatiker aufgrund seines frühen Todes nicht fertigstellen konnte, hat an seiner Aktualität nichts verloren. Die Themen psychische Gesundheit, Liebe, Verrat, Unterdrückung und Ausbeutung sind allgegenwärtig und absolut zeitlos.
Nachdem die Klasse 11nS dieses ganz spezielle offene Drama, welches bewusst mit der klassischen Dramentheorie von Aristoteles oder auch Gustav Freytag bricht, im Unterricht ausführlich behandelt hatte, war die Freude umso größer, dass es uns vom Stadttheater ermöglicht wurde, die ausverkaufte Abendvorstellung zu besuchen. Die 100 Minuten waren tatsächlich wie um Flug vorbei und man blieb noch Minuten nach dem Schlussapplaus mit offenen Mündern sitzen. Es war ein Erlebnis, welches man selten geboten bekommt. Eine enorme Lautstärke, großartige Schauspielerinnen und Schauspieler, Lichteffekte und nahtlos eingebundene Filmaufnahmen wurden begleitet von einer stimmungsvollen Musik mit Klavier und Schlagzeug. Die Anordnung der Szenen, die deutlich vom Ursprungswerk abwich, sorgte im Anschluss für viele Diskussionen. Einig war man sich jedoch, dass es ein besonderer Abend war, der allen noch lange im Gedächtnis bleiben wird.
Christian Lübke