Indienaustausch 2023: Hallo! Hola! Hello! Oder besser gesagt: Namaste!

Nach drei Jahren Coronapause war es endlich so weit: Die FOS Aschaffenburg durfte sich wieder auf eine große Reise nach Indien machen. Mit 16 Schülern und zwei Lehrern im Gepäck machten wir uns auf dem Weg mit dem Flugzeug nach Bangalore, wo sich unsere Partnerschule befindet.  

Am ersten Tag wurden wir im College traditionell indisch empfangen. Jeder Schüler bekam eine Blumenkette umgehängt und eine indische Schülerin hielt ein Tablett in der Hand, worauf sich eine Flamme, Blumen, Reiskörner und ein Gefäß mit Puder befand. Dieses Tablett schwenkte sie vor den Lehrern auf und ab. Danach benutzte sie den Puder, um das Tilaka [ein Segenszeichen – also den typischen roten Punkt] auf die Stirn zu tupfen. Also wenn ein Land weiß, wie es seine Gäste herzlich begrüßt, dann ist das definitiv Indien! Im Anschluss wurden wir mit dem riesigen und grünen Campus des Colleges vertraut gemacht. 

Der nächste Tag stand an und wir besuchten den Sri Radha Krishna-Chandra-Tempel, welches auch einer der größten Krishna-Hindu-Tempel der Welt ist. Am Eingang mussten wir unsere Schuhe ausziehen. Auf dem Weg zum Haupttempel gibt es 108 rote Steine, auf denen man stehen und jeweils ein Mantra aufsagen musste. Als wir im Tempel ankamen, waren wir alle bewältigt von den vielen verschiedenen und besonderen Eindrücken, die auf uns niederprasselten: indische Klänge, Instrumente und betenden Gesänge.  

Ein neuer Morgen erwachte und wir machten uns mit dem Bus der Schule auf den Weg zu einem Dorf in der Nähe von Bangalore. Das College hat das Dorf finanziell unterstützt, damit dort eine kleine Bank eröffnet und eine Schule erbaut werden konnten. Bildung hängt leider in vielen Teilen der Welt immer noch von finanziellen Mitteln ab und wer die Voraussetzungen nicht erfüllt, muss unter den Konsequenzen leiden. Die Menschen, die in dem Dorf leben, waren jedoch sehr erfreut und stolz auf ihre bisherigen Erfolge und teilten diese mit uns. Vor der kleinen Schule haben wir mit indischen Schülern verschiedene Gruppenspiele gemacht. Bevor es wieder zurück nach Bangalore ging, saßen wir alle gemeinsam traditionell auf dem Boden und durften das leckere Essen – ohne Besteck – genießen. 

Nach dem Wochenende, das jeder Schüler mit seiner Gastfamilie ganz individuell verbracht hatte, ging es zum Bhannerghatta National Park, einem Zoo, wo uns unter anderem eine spannende Safari-Tour erwartete. Ein absolutes Highlight war vielleicht alles, aber besonders, Elefanten und Löwen zu sehen. Danach sind wir zum Kengeri Campus, einer Außenstelle der Christ University. Dort wurde uns das Gebäude vorgestellt. Interessant war das Internat auf dem Campus, in welchem strenge Vorschriften herrschen: Tagsüber waren die Zimmer abgeschlossen, damit sich die Jugendlichen zum Lernen immer in der Bibliothek treffen. Das Handy durften sie nur am Sonntag für eine Stunde benutzen. Um 22:00 Uhr ist Nachtruhe und um 5:00 Uhr morgens beginnt der Tag mit einer guten Runde Sport. Regeln, die für uns doch unvorstellbar wären. Also, liebe FOS Aschaffenburg, bitte nimm dir kein Beispiel daran. 

Ein Highlight durften wir am nächsten Tag erleben. Wir besuchten das zweitgrößte IT-Unternehmen in Indien namens Infosys. Auf dem Firmengelände war für das Leben der Mitarbeiter stets gesorgt. Es gab Fitnessstudios, Restaurants und vieles mehr, sodass die Mitarbeiter sich kaum aus dem Gelände bewegen mussten. Danach ging es zu einer Fabrik, in welcher Räucherstäben herstellt werden. Wir wurden durch den ganzen Prozess der Produktion eines Räucherstäben begleitet, von der Herstellung und Mischung der Düfte bis hin zur Verpackung der Stäbchen, was sehr interessant und spannend war. Jedoch war der Kontrast zu der Firma davor und der Fabrik eindeutig und hat uns alle zum Denken angeregt. Denn die Damen arbeiteten unter sehr schlechten Bedingungen über sehr lange Zeiträume in der Fabrik für einfache Räucherstäbchen.  

Der letzte Tag brach an und ungewollt mussten wir unsere Koffer packen … Den Abschied haben wir richtig gefeiert, alle Schüler, sowohl die indischen als auch die deutschen, kamen in traditionell indischen Gewändern zum College. Es wurde ein riesiges Büffet angeboten mit reichlich leckerem Essen. Als die Mägen voll waren, durften Tanzeinlagen nicht fehlen, denn in den acht Tagen in Indien durften wir auch ein paar Schritte von unseren Austauschpartnern lernen. Nach der Feier kam der etwas unschönere Teil, wir mussten uns von unserer Gastfamilie verabschieden. Dies stellte sich als eine enorme Herausforderung dar, da unendlich viele Tränen geflossen sind und niemand dafür bereit war.  

Da das aber kein Abschied für immer war, sondern ein auf Wiedersehen, durften wir unsere indischen Schüler schon im April mit schlechtem Wetter und niedrigen Temperaturen empfangen. Warm eingepackt begann der erste Tag mit einer Begrüßung an unserer Schule und dann ging es schon weiter mit einer Tour durch Aschaffenburg. Jeder Schüler bekam eine Sehenswürdigkeit aus Aschaffenburg zugeteilt und erzählte an jeder Station etwas über unsere schöne Stadt. Besonders beeindruckend war die Stiftskirche, wo wir die Orgel mitsamt ihren Funktionen vorgestellt bekommen haben. 

Am nächsten Tag fuhren wir nach Frankfurt und wurden in verschiedene Gruppen aufgeteilt. Diesmal war eine Schnitzeljagd angesagt. Auf einem Zettel waren verschiedene Fragen über Frankfurt, die Sehenswürdigkeiten und Spezialitäten aufgelistet. Die Antworten zu den Fragen bekamen wir dadurch, dass wir verschiedene Personen befragten. Danach statteten wir der deutschen Bundesbank einen Besuch ab. Die wirtschaftlich interessierten Schüler waren besonders angetan von der Ausstellung und dem darauffolgenden Vortrag.  

Ein Tag verging und wir landeten in Würzburg. Dort besichtigten wir die Burg und es war ganz amüsant, denn in Indien laufen die Menschen nicht so viel wie im Vergleich zu hier. Somit waren unsere indischen Schüler (und Lehrer!!!) nach wenigen Metern schon etwas erschöpft und wir kamen im Schneckentempo voran. In der Innenstadt angekommen, waren wir Schüler uns selbst überlassen und durften die Stadt auf eigene Faust erkunden. Zu guter Letzt besuchten wir die Röntgen-Gedächtnisstätte. In einem Ausstellungsraum konnten wir Röntgens verwendete Material für die Entdeckung der Röntgenstrahlen anschauen.  

Am Donnerstag stand nicht viel auf dem Programm, außer der Besuch bei Linde in Nilkheim. Wir wurden in drei verschiedene Gruppen eingeteilt und bekamen das Firmengelände vorgestellt. Dabei wurde uns an verschiedenen Stationen erklärt, wie die Gabelstapler hergestellt werden. Viel Aufmerksamkeit erhielten die selbstfahrenden Gabelstapler. 

Der letzte Tag brach an und wir trafen uns am Abend in der Schule, um offiziell Abschied voneinander zu nehmen. Wir pflanzten gemeinsam vor der Schule einen Baum, der uns immer an den Austausch erinnern und wachsen wird, so wie die Freundschaften unter den Austauschpartnern gewachsen sind. Denn unsere Austauschpartner sind uns sehr ans Herz gewachsen und ein Teil zu unserer Familie geworden. Auch wenn wir uns sehr unterscheiden, sei es in der Art zu essen, zu trinken und zu kleiden, verbinden uns doch viele Eigenschaften. Schlussendlich sind wir alle Menschen auf dem Planet Erde, welche sich nach Frieden, Liebe, Freiheit und Sicherheit sehnen. 

Eine letzte Empfehlung von mir: Einen Schüleraustausch sollte man sich nie entgehen lassen, man taucht in eine neue Welt ein, verbringt intensive Momente mit einer fremden Familie, die aber zu der eignen wird. Solch ein Programm ist die Möglichkeit, eine Kultur aus einer familiären Perspektive zu erleben, und diese Chance sollte man nutzen. Ich selbst habe sie zwei Mal genutzt und habe so viel über unterschiedliche Lebensweisen und Religion lernen können. 

Dorentina Saraci, Schülerin der FOS Aschaffenburg  

 

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